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Das Enneagramm» Eine Einführung

RE: Das Enneagramm
#61
18.01.2023, 01:04 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.01.2023, 01:47 von ichbinmehr.)
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Online Enneagramm Kurs auf Homodea für kleines Geld

Ich schaue gerade den Enneagramm Video Kurs auf https://homodea.com. Der Enneagramm Kurs umfasst 11 Stunden Video Kurs. Eine Einführung, jeweils ein Video zu jedem der neun Typen und ein Abschlussvideo.

Homodea ist die Video Plattform und Online Gemeinschaft von Veit Lindau (Coaching und Buch Autor) und einigen anderen Leuten, die Video Kurse dort anbieten. Eine Mitgliedschaft kostet pro Monat 15 Euro. D.h. man kann den kompletten Workshop plus unzählige andere Video Kurse zu psychologischen und spirituellen Themen, für diese 15 Euro, einen Monat lang anschauen. Man kann die Mitgliedschaft monatlich wieder kündigen, wenn man das möchte. Kündigen kann man mit einem Klick.

Eigentlich habe ich immer so meine Probleme mit 3ern im Enneagramm, wie Veit, weil ich diese oft als oberflächlich und maskenhaft wahrnehme. Da er aber eine entwickelte 3 zu sein scheint, die ihre Unzulänglichkeiten liebevoll angenommen hat, nehme ich ihn sehr positiv und authentisch wahr. Erfolgreich und authentisch geht in meinem Denken meist nicht zusammen, aber er schafft das irgendwie. Von daher auch meine klare Empfehlung, falls jemand ein Rolemodell für eine entwickelte 3 sucht.

Auf Homodea sind weit über 30 Workshops, die man mit der einmaligen Zahlung von 15 Euro einen Monat lang anschauen kann. Der Enneagramm Kurs ist nur einer von vielen. Ansonsten gibt´s da zum Beispiel Schattenarbeit, die Arbeit mit Chakren, Heilung von Beziehungen oder geführte Meditationen, etc. Ich finde auch seine Workshops zum Thema Reality Creation ganz cool. Da merkt man der hat auch viel mit Glaubenssätzen gearbeitet und kann daher relativ grenzenlos denken, was ich gerne an Menschen mag.

Es gibt auf Homodea noch andere Workshops, da muss man etwas hinzuzahlen, aber die habe ich noch nie genutzt, weil der Content für die 15 Euro so umfangreich ist, dass ich es noch nie geschafft habe da alles zu gucken was mich interessieren würde.

Natürlich bringt Veit auch seine ganz eigene Perspektive auf das Enneagramm ein und bearbeitet zum Teil auch Themen, die ich so noch in keinem Buch gefunden habe. Er geht empathisch auf jede Fixierung ein und kann in allen Typen etwas liebenswertes sehen. Er sieht jeden Enneagreamm Typen als eine in sich abgeschlossene Heldenreise.

Er geht in jedem Video auf die Grundenergie des Typen, den Schatten, die Subtypen, die Kindheitsprägungund die Erlösung aus der Fixierung ein. Er macht das wirklich mit sehr viel Humor, da er für jeden Typen leicht überzogen und verkleidet in die entsprechende Rolle schlüpft. Ich habe bei fast jedem Typen herzlich gelacht und etwas neues für mich mitgenommen.
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RE: Das Enneagramm
#62
10.03.2023, 22:43
Hier gibt es Interviews mit unterschiedlichen Enneagramm
Typen.



Interview Enneagramm Typ 5
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RE: Das Enneagramm
#63
12.10.2024, 13:22 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.10.2024, 13:27 von ichbinmehr.)
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Tritypes

Hier gibte es neue Videos von Janusz, den ich weiter oben schon mal als Experten für den Bereich der Subtypen bezeichnet hatte. Jetzt ist er gerade dabei zu allen 27 Tritypes Videos zu machen: 

https://www.youtube.com/playlist?list=PL...WxV95_XiHJ

Zu Erinnerung: Ein Tritype war ein archteyptischer Komplex aus den drei dominantesten Enneagramm Typen.

Hier war der Beitrag zu den Tritiypes: https://www.klartraumforum.de/forum/show...#pid272735
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RE: Das Enneagramm
#64
16.11.2024, 03:39 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.11.2024, 03:39 von ichbinmehr.)
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Zitat:Die tiefsten unbewussten Überzeugungen der 9 Enneatypen

Hier sind die tiefsten unbewussten Überzeugungen der neun Enneagrammtypen, jeweils in einem einzigen prägnanten Satz:

1. Typ 1 (Perfektionist): “Ich bin nur wertvoll, wenn ich fehlerfrei bin und alles richtig mache.”

2. Typ 2 (Helfer): “Ich verdiene Liebe nur, wenn ich für andere da bin und meine eigenen Bedürfnisse hintenan stelle.”

3. Typ 3 (Erfolgsmensch): “Mein Wert hängt ausschließlich von meinen Leistungen und meinem äußeren Erfolg ab.”

4. Typ 4 (Individualist): “Ich bin fundamental unvollständig und andersartig, und werde niemals wirklich dazugehören.”

5. Typ 5 (Denker): “Die Welt wird mich überwältigen, wenn ich nicht genug Wissen oder Ressourcen anhäufe.”

6. Typ 6 (Loyaler Skeptiker): “Ich kann nur sicher sein, wenn ich mich ständig gegen mögliche Gefahren absichere.”

7. Typ 7 (Abenteurer): “Schmerz und Begrenzung sind unerträglich und müssen unbedingt vermieden werden.”

8. Typ 8 (Herausforderer): “Verletzlichkeit ist gefährlich und nur Stärke und Kontrolle schützen mich vor Verrat.”

9. Typ 9 (Friedensstifter): “Meine Meinung und Präsenz sind nicht wichtig genug, um Konflikte zu riskieren.”


Quelle: Rathmer‘s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z - Ein Nachschlagewerk über die 9 Enneagrammtypen inklusive der 27 Subtypen - https://verlagshausrathmer.com/product/r...52f3c22ed6
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RE: Das Enneagramm
#65
08.02.2025, 09:09 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.02.2025, 09:09 von ichbinmehr.)
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Ich hatte heute einen Text in einem Advaita Forum geschrieben, als jemand über Herzmenschen und sprituelle Gurus sprach und deren manipulative Art aufzeigte:


Teil 1 - Der Enneagramm-Typ 2: Die Kraft des Herzens

Was du beschreibst, ist sehr typisch für den Enneagramm-Typ 2 – den Typen mit der wohl stärksten Herz-Energie im ganzen Enneagramm.

Motivationskraft von Typ 2: Ich muss mich um die Bedürfnisse anderer kümmern, um geliebt zu werden.


Zweien symbolisieren die Mutterfiguren unter den Enneagramm-Typen. Aufgrund ihrer großen Empathie interessieren sie sich sehr für andere Menschen und erkennen intuitiv deren Bedürfnisse.

Zweien sind überaus hilfsbereite Menschen, möchten gebraucht werden und zum Wohle aller beitragen. Man findet sie in helfenden Berufen, wie in der Krankenpflege, als Ärzte, in der Altenpflege, als Erzieherinnen im Kindergarten, im Tierheim, als Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Heilpraktikerinnen und spirituelle Lehrer*nnen.

Zweien geben alles, was sie haben, und zeigen sich auf den ersten Blick als selbstlos. Ihre eigenen Bedürfnisse stellen sie zum Wohle ihrer Nächsten scheinbar zurück, was auch schon mal bis zum Burnout gehen kann. Sie geben häufig so viel, bis keine Kraft mehr da ist.

Die Zwei benötigt Dankbarkeit, um emotional gesättigt zu sein. Sie fordert eigene Bedürfnisse und Wertschätzung jedoch nie offen für sich ein. Ja, sie sagt sogar, sie habe an der Stelle gar keine Bedürfnisse und brauche nichts. Die zwei handelt dem anschein nach stehts selbstlos.

In Wirklichkeit ist sie zutiefst gekränkt, wenn Dankbarkeit ausbleibt. Aber weil die Zwei schon in der Kindheit keine Aufmerksamkeit erfahren hat, glaubt sie, sie müsse völlig ohne Aufmerksamkeit leben – und das ist ihr Hochmut. Es ist aber ein Hochmut der aus der Not heraus geboren ist.

Die Hilfe, die sie anderen Menschen zur Verfügung stellt, kann die Zwei selbst nur schwer annehmen. Sie lebt ihr Leben für andere und gibt ihr Leben für andere.

>>> weiter zu Teil 2
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RE: Das Enneagramm
#66
08.02.2025, 09:30
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Teil 2 - Die Schattenseite der Zwei: Selbstverleugnung und Kompensation

Typ 2 ist zutiefst mit dem Wunsch verbunden, geliebt zu werden, und bringt oft eine beeindruckende Wärme, Fürsorglichkeit und Großzügigkeit mit. Die Zwei schenkt anderen die Liebe, die sie sich selbst wünscht, die sie nie erhalten hat.

Doch hinter dieser vermeindlich strahlenden Herzensenergie verbirgt sich oft ein unbewusstes Muster: Die intensive Hinwendung zu anderen dient nicht nur dem reinen Geben, sondern kompensiert häufig eine tiefere eigene Bedürftigkeit. Der innere Schmerz darüber, selbst bedürftig zu sein, wird durch das Bedürfnis ersetzt, für andere unverzichtbar zu sein.

Man kann jedoch ein solcher Herz-Typ 2 sein und gleichzeitig seinen Schatten kennen.

Ich selbst bin in meinem Enneagramm Trityp (521) auch zum Teil ein Herz-Typ. Der Trityp das sind die drei stärksten Ego-Muster.

Ich habe leidvoll erkannt, wie meine eigenen Muster als kompensatorische Strategien gewirkt haben, und musste meine Konsequenzen ziehen. Ich bin so krank geworden, weil ich mich ständig selbst übergangen hatte, dass ich dadurch aus diesem Muster aufgewacht bin.

Dieses Bewusstsein über den eigenen Schatten, z. B. mit Hilfe des Enneagramms, verändert etwas Grundlegendes. Es öffnet den Raum für echtes Mitgefühl – nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst. Eine Zwei, die sich selbst liebt und ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigt, ist eine erlöste Zwei.

Deshalb ist der Weg der Selbstliebe für mich auch sehr wichtig. Selbstlosigkeit hingegen würde mir und meinem Umfeld extremen Schaden zufügen. Ich darf oft noch lernen, zu sagen, was ich wirklich brauche, und mir erlauben, auch von anderen Menschen Liebe, Verständnis, Fürsorge zu empfangen, anstatt selbstlos zu sein. Besser noch, ohne dass ich dafür erst etwas geben muss.

Auch deshalb musste ich meinen sozialen Beruf als Erziehrerin aufgeben, weil das die einzige Möglichkeit für mich war, mein Helfer-Muster mal zu durchbrechen und mich endlich mal mir selbst zuzuwenden. Ich musste ja auf der Arbeit im Kindergarten jeden Tag ein Helfer sein und mich völlig zurückstellen. Man ist in solchen Jobs gezwungen sich selbst aufzugeben. Die Arbeitsbedinungen sind einfach so.

Deshalb bin ich auch keine erfolgreiche spirituelle Lehrerin und auch keine Psychotherapeutin geworden, wie ich das nach dem Ausstieg aus meinem Beruf zuerst noch vorgehabt hatte, weil ich dann wieder und wieder mir die Lasten der ganzen Welt auf die Schultern gelegt hätte und es gar nicht geschafft hätte, mir selbst den Raum und die Aufmerksamkeit zu schenken, die ich brauchte. Zwar hatte auch das alles versucht, aber glücklicherweise habe ich mich unbewusst sabotiert. Es war zu meinem Besten.

Und deshalb sind mir Menschen lieb, die auf eigenen Beinen stehen und es von mir nicht brauchen, dass ich sie trage. Ich habe lieber spirtuelle Freunde, mit denen ich auf Augenhöhe über meine Erkenntnisse philosophieren kann, statt spirituelle Schüler, die mich mit ihren Nöten wieder in die Rolle des Helfens reinziehen.

Aber ich kann dir sagen, dass wenn man so ein Muster läutert, die positiven Eigenschaften der Zwei dennoch bleiben. Die Tendenz zu einem offenen Herzen und zu Mitgefühl, jedoch ohne sich selbst dabei zu übergehen.

Die härteste Lehre habe ich dabei von meiner Mutter bekommen, zu der ich den Kontakt abbrechen musste, und sie auch nach dem Tod meines Vaters alleine zurück lassen musste, weil sie mich immer wieder in diese Rolle des Bedürfniserfüllers gedrängt hat und von mir erwartet hat, das sich meine Bedürfnisse verleugne.

Und ich denke, man sollte nicht gleich Herzmenschen pauschal in einen Topf werfen und jedem Herztyp unterstellen, dass er manipulativen Machtmissbrauch betreibt.

Den Hochmut eines Menschen sehen wir immer schnell, aber wer sieht schon, wie sehr ich in der Kindheit genötigt wurde, meine Bedürfnisse zu verleugnen und mich völlig selbstlos aufzugeben, um in diese Familie zu überleben? Das sieht oft keiner - aber es wäre ja auch wichtig an der Stelle tiefer zu schauen, und zu erkennen, welche Not hinter dem (spirituellen) Hochmut steckt.

>>> Weiter zu Teil 3 >>>
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RE: Das Enneagramm
#67
08.02.2025, 10:00
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Teil 3 - Schattenarbeit, Trauma und Transformation

Im Enneagramm sagt man, dass es unbewusste und bewusste Formen eines jeden Typen gibt. Eine unbewusste Zwei verleugnet ihre eigenen Bedürfnisse, und ja, dann entstehen diese Abhängigkeitsverhältnisse, die du des öfteren bei bestimmten spirituellen Lehrern beschreibst. Dabei geht sehr viel Authentizität verloren.

Das Problem entsteht meist erst dann, wenn der Typ 2 versucht, sich selbst zu übergehen, indem er in einer Art „permanenter Heiligkeit“ verharrt.

Dabei geht es weniger um das Geben selbst, sondern um das subtile Überhöhen des eigenen Selbstwertes durch das Gefühl, „unentbehrlich“ zu sein und immer liebevoll und selbstlos zu handeln.

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Ein Freund von mir ist zum Beispiel auch eine Zwei im Ennegramm. Er ist Altenpfleger, arbeitet mit einem Bandscheibenvorfall und ist auch spirituell. Noch nie hat er zugegeben, dass er mal wütend, beleidigt, gekränkt, traurig, bedürftig oder überfordert war oder sonst irgendetwas von seinem Gegenüber brauchte.

Neulich hatte ich ihm eine Sprachnachricht geschickt, die ziemlich lang war. Und ich glaube diese hatte ihn an diesem Tag überfordert. Für mich wäre das kein Problem gewesen, wenn er gesagt hätte, jetzt nicht. Aber er konnte nicht sagen, dass er es gerade nicht schafft, das anzuhören, und da hat er zu mir gesagt, ich solle bitte auf meine Grenzen achten. Haha. Also hat er es umgedreht.

Das ist auch typisch für die Zwei. Ich hätte mich ja gefreut, wenn er mal „Stopp“ gesagt hätte, aber das kann er nicht, weil ihm das wohl solche Angst gemacht hätte – Verlustangst und einen Zusammenbruch des Selbstwertgefühls zur Folge hätte.

Ich habe ihm schon oft vom Enneagramm-Typ 2 erzählt, weil ich gehofft hatte, dass er sich dann mal den Raum für seine Bedürfnisse nimmt, aber er kann nicht. Also muss ich ihn so annehmen, obwohl ich weiß, dass hinter seiner emotionalen Grandiosität eine Not steckt, die er aber noch nicht offenbaren oder überwinden kann.

Und als er wegen seines Bandscheibenvorfalls und Burnouts nicht mehr arbeiten konnte, hat er gelogen und dem Psychiater erzählt, er sei Alkoholiker (obwohl das nicht stimmt), nur um zu vermeiden, einmal zu sagen: „Ich kann nicht mehr. Ich schaffe meine Arbeit nicht mehr.“

Und er ist kein Alkoholiker, aber er ist zu stolz, um um Hilfe zu bitten. Lieber verwickelt er sich in absurde Situationen.

Und ich verstehe das irgendwie. Wenn ich daran denke, wie meine Mutter mich fertiggemacht hat, als ich so krank war und nicht mehr konnte, wie sie mich angeschrien hat: „Ich will von deiner Krankheit nichts wissen!“ – und einfach über alle meine Bedürfnisse hinweggesehen hat, als wäre ich ein Objekt, das nur zu funktionieren hat, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen – dann verstehe ich sehr gut, welche existenziellen Ängste das auslöst und dass man sein Muster nicht einfach aufgeben kann.

Wenn man von Kindheit an wie ein Objekt behandelt wurde, das seine wahren Bedürfnisse verleugnen musste, und als Kind schon selbstlos sein muste, um zu überleben, dann hat man Todesangst davor, zu sagen, was man wirklich braucht. Das ist logisch oder?

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Doch im Kern ist der Herz-Typ – wie alle Enneagramm-Typen – weder besser noch schlechter als andere Ego-Strukturen. Niemand ist ohne Ego-Struktur.

Ein Herz-Typ zu sein, ist einfach eine Überlebensstrategie, oft schon in der Kindheit entwickelt, und diente dieses Muster einst dem Schutz vor einer tiefen Ohnmacht, die zu ertragen zu schwer oder unmöglich gewesen wäre.

Was, wenn es die einzige Möglichkeit für ein Kind war, in einen positiven Kontakt mit den Bezugspersonen zu kommen, wenn es hilfsbereit und völlig selbstlos war? Kinder brauchen Liebe und was wenn wir 2er sonst gestriben wären, denn Kinder sterben ohne Liebe.

Was, wenn ein Mensch einfach nur nie gelernt hat, die eigenen Bedürfnisse zu sehen, weil ja vielleicht schon in der Kindheit diese Bedürfnisse des Kindes von den Eltern übergangen wurden?

Dann lernt man, dass man selbst gar keine Bedürfnisse haben darf. Wenn man nur so angenommen wurde – in völliger Selbstlosigkeit. So war das bei mir. Ich hatte gar keine Chance, meine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Ich musste meine Bedürfnisse verleugnen und stattdessen hatte ich ein überbordendes Mitgefühl für meine Eltern, und musste ein kompensatorisches und grenzenloses Verständnis für die ganze Welt entwicklen.

Wie will man denn ein Kind oder einen Menschen dafür verurteilen, dass es sich selbst permanent selbst übergeht und eine Kompensation für die verleugneten Bedürfnisse entwickelt?

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Aber wo ich dir absolut Recht gebe ?: Wenn man dann eine verantwortungsvolle Rolle für andere Menschen spielt, z. B. als spiritueller Lehrer, wenn man eine Machtpostion hat, dann hat man die Aufgabe, seinen Schatten anzuschauen!!!

Denn ohne Schattenarbeit zeigen sich die nicht anerkannten Bedürfnisse in Form von Machtmissbrauch und manipulativen Strategien.

Und deshalb habe ich eben Therapie gemacht, und hatte leider keine Zeit ein "Heiliger" zu werden, obwohl ich die heiligen Menschen auch oft beneidet habe, denn ich hätte auch so gerne mal eine solche Aufmerksamkeit und Anerkennung genossen, oder jemanden gehabt, der mir Fragen stellt, und sich für mich interessiert, eben das was ich in der Kindheit nie erfahren habe: Aufmerksamkeit.

Und deshalb kann man diese Menschen, wenn sie dann so eine "heilige Rolle" bekleiden, auch zu Recht kritisieren, wenn sie sich eben nicht mit ihrem Ego auseinander setzten, und das zu Machtmissbrauch führt.

Und es ist wichtig dass du das aufzeigst, denn du hilfst ja dadurch auch viele Menschen, sich von solchen maniplulativen Strukturen und Menschen zu befreien. Du machst es vielen bewusst.

>>>

Aber bei aller berechtigen Kritik denke ich, muss man auch verstehen, welche Not hinter diesen Strategien des Egos steht.

Und man muss unterscheiden, ob jemand seine negativen Verhaltensweisen geläutert hat. Und nicht alle Herzmenschen sind so, wie du sie oft pauschal beschreibst, zutiefst maniplulativ, weil wir Menschen dazu lerne können und uns unserem Schatten eben auch stellen können, zb mit Hilfe des Enneagramms, einer Therapie oder einer anderen Technik und uns über diese sehr negativen Seiten hinaus entwicklen können.

Und deshalb mag ich radikale Ehrlichkeit, denn das gibt mir immer wieder die Chance, mich emotional nackt, verletzlich, und mit all meinen authentischen Bedürfnissen zu zeigen, auch wenn ich dann nicht den Eindruck erwecke, ein besonders sprituell verwirklicher Mensch zu sein.

Denn auf meine Bedürftigkeit schauen viele Menschen herab und man kann so keine stabil wirkende Persona darstellen und niemand wird in dir einn Heiligen sehn, den den musstest du überwinden, um ein Mensch zu werden, aber dafür hast du deine Ruhe und Zeit für dich. Und auch das hat zwei Seiten, Licht und Schatten.

>>> weiter zu Teil 4 >>>
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RE: Das Enneagramm
#68
08.02.2025, 10:20 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.02.2025, 10:28 von ichbinmehr.)
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Teil 4  - Die Würdigung der Herzmenschen

Und ich denke außerdem, dass die Leistung dieser Menschen auch gewürdigt werden sollte. Denn ohne diese Herzmenschen, die im Krankenhaus, als Altenpflegerinnen, als Erzieherinnen, Ärztinnen, Psychologen, Sozialarbieter, Heilende und Helfer*innen jeder Art arbeiten und unsere sozialen Systeme auffangen, wären wir verloren.

Und nur jemand, der so ein offenes Herz hat und der bereit ist (auch wenn es kompensatorisch ist, in einen Schatten mit sich trägt), selbstlos zum Wohle des Nächsten zu handeln, arbeitet überhaupt unter diesen miserablen Arbeitsbedingungen in einem sozialen Beruf mit Nachtschicht, für einen Hungerlohn, bis zur Erschöpfung und zum Burnout – damit es anderen Menschen gut geht, damit andere Menschen versorgt sind, wenn sie hilfsbedürftig, krank oder in anderer Weise in Not sind.

Und deshalb ist diese Herzwunde, diese kompensatorische Selbstlosigkeit, nicht nur schlecht. Sie ist perfekt. Das Sein hat uns so gemacht, und das Sein erlöst uns von dieser Bürde, der wie ich glaube ein Boddhisattva Weg war, wenn wir der Welt mit unserem Herzen gedient haben.

Und ich kann dir sagen: Ich habe in der Zeit, in der ich Menschen völlig selbstlos bis zur Erschöpfung gedient habe und mich verleugnet habe, viel über Menschlichkeit gelernt.

Und das dienen, war in Wirklichkeit eine Lehrzeit. Ich habe so viel von diesen Kindern gelernt, für die ich mich aufgeopfert habe. Und auch von allen anderen Menschen, über die ich mich mit meinem kompensatorischen spirituellen Hochmut, gestellt habe und sie nicht verurteilt habe, sondern meine Wut und meine Kränkung immer wieder zurück gestellt habe, um zu verstehen, und um mein Mitgefühl zu kultivieren.

Und irgendwann werden diese Muster dann bewusst, und dann kann man so nicht mehr handeln.

Und letztlich ist vielleicht alles so perfekt, wie es ist.

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RE: Das Enneagramm
#69
08.02.2025, 10:41
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Teil 5 - Der Wandel: Von Selbstverleugnung zur Selbstfürsorge

Bei mir ist es jetzt so: Ich spiele diese helfende Rolle nur noch dann, wenn ich es wirklich fühle, wenn ich Lust habe. Und wenn ich erschöpft, müde, lustlos oder gelangweilt bin – dann nicht.

Und ich weiß um meine eigene Bedürftigkeit und betone sie stets offen und ehrlich.

Wann immer mich jemand auf meine kompensatorischen, stolz-basierten Ego-Strategien anspricht, offenbare ich meine wahren Hintergründe radikal Ehrlich, zeige meine Verletzlichkeit, meine kindliche Not, meine Kränkung und meine Schwäche.

Und doch kann ich nicht anders sein, als ich bin. Ich bin ein Herzmensch (Typ 2), aber zum Glück bin ich auch ein Versteher (Typ 5) und habe mich vom schlimmsten Hoch- und Übermut erlöst, indem ich mich zb. mit dem Enneagramm verstanden habe. Und gegen ein gesundes Selbstbewusstsein ist meiner Meinung nach nichts einzuwenden.

Und ich glaube, ein Ego-Muster, das aus Mangel an Liebe und Zuwendung in der Kindheit entstanden ist, löst sich nur mit Liebe und Zuwendung auf. Weshalb Psychologie und Tantra für mich viel besser sind als buddhistische Selbstlosigkeit oder die Suche nach Leerheitszuständen oder Advaita Vedanta und die Suche nach der Nonexistenz.

ALLEINSEIN – das wäre für mich schon wieder allein sein, schon wieder selbstlos sein. Ich war schon meine ganze Kindheit mit mir alleine, weil nie jemand für mich da war. Ich hatte niemanden der mal in mein Zimmer kam, und sich einfach so für mich interessiert hat, ohne das ich dafür etwas leisten musste, ohne dass ich die Bedürfnisse anderer befriedigen muste. Und ich habe erst durch meine Erkrankungen gelernt, mich mir selbst zuzuwenden.

Selbstlosigkeit und Alleinsein. Das hatte ich ja schon mein ganzes Leben lang. Was mir immer gefehlt hat, sind Erfahrungen von echter Verbundenheit und dass ich Menschen für mich interessieren, so wie ich bin, mit allen Fehlern und Anhaftungen und Begrenzungen, die ich habe. Aber auch allen Fähigkeiten, Stärken und Qualitäten, denn diese haben meine Eltern nie gesehen.

Und ich versuche mir das so gut ich kann, selbst zu geben, was ich nie hatte. Aber ich brauche das auch von anderen Menschen, denn auch hier muss ich ehrlich zu mir selbst sein, ich kann mir nicht alles selbst geben. Ich bin ein soziales Wesen, ein Mensch der die Erfahrung machen muss, von anderen Menschen geliebt, verstanden und akzeptiert zu werden.

Und weil ich ja aus all diesen genannten Gründen keine richtige spirituelle Lehrerin sein kann, sind meine Texte oft ein Art Mittelweg aus Eigentherapie (als Akt der Selbstliebe) mit denen ich mir Selbst Aufmerksamkeit schenke, und darüber hinaus, können sich andere Menschen vielleicht manchmal ein bisschen in meinen Texten wieder erkennen oder etwas lernen.

Und manche Menschen denken vielleicht, dass dass nicht spirituell ist, dass ich so selbstbezogen über mich und mein Leben schreibe, doch sie wissen ja nicht, dass ich Jahrzente in Selbstlosgkeit gelebt habe und verstehen nicht, dass alles in Balance stehen muss. So ein Typ aus Indien hat mir mal gesagt, ich wäre den Weg falsch herum gegangen. Haha. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wo oben und wo unten ist. wink3

Und ich habe heute zum Beispiel als ich diesen Text geschrieben habe, viel geweint. Dann war das doch bestimmt Therapie oder? happy

>>> Weiter zu Teil 6 >>>
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RE: Das Enneagramm
#70
08.02.2025, 11:14
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Teil 6 - Die psychologische Falle und die bedingungslose Erlösung

Und eins fällt mir noch dazu ein: Auch die Idee, völlig selbstlos und bedürfnislos zu sein, wie das in spirituellen Kreisen oft erwartet wird, ist so ein typisches Enneagramm-Typ-2-Ding.

Nachdem ich die Liebe und Aufmerksamkeit, die ich gesucht habe, im Außen manchmal nicht gefunden habe, habe ich dann versucht, mir das alles selbst zu geben. Ich habe wie verrückt fast zehn Jahre lang Psychotherapie gemacht – und zwar nicht nur zu dem Termin, den ich einmal in der Woche hatte, sondern 24/7. Ich habe täglich mein Ich durchschaut (also in gewisser Weise „zerstückelt“) und Heilungsarbeit geleistet, um alles wieder zusammenzukleben.

Und wenn man Heilungsarbeit macht (und die ist manchmal dringend nötig), dann gibt es auch dort die Falle, dass man sein Ego zu sehr in Frage stellt, weil man hofft, dass man alle unerfüllten Bedürfnisse damit auslöschen kann.

Oder aber man versucht alles durch Selbstliebe zu lösen, um nie wieder von einem anderen Menschen und dessen Zuwendung abhängig zu sein.

Aber es ist dann noch eine andere Sache, sich einzugestehen, dass es da Dinge gibt, die nicht erfüllt sind. Dass man Dinge schmerzlich vermisst hat, und das man heute manchmal immer noch ziemlich hilflos ist, weil man unerfüllte Sehnsüchte in sich trägt und keine Ahnung hat, ob es jemals einen Weg gibt, dass diese gestillt werden. Und egal was man alles tut, um sich selbst zu helfen, selbst wenn man der beste Psychotherapeut für sich selbst oder der weiste spirituelle Lehrer ist, funktioniert es auch nicht, nicht mal mit den besten Methoden und Zuständen, die Hilflosigkeit beständig zuzudecken.

Und möchte mir gerne sagen: ich bin sicher, dass das, was ich bisher durch meine selbstlose Verleugnung meiner Bedürfnisse vermisst habe, noch kommen wird, aber ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Und manchmal weiß ich nicht, wie ich das ertragen soll, wenn manche Dinge unerfüllt bleiben würden, die ich nie hatte.

Manchmal denke ich: Bestimmt war ich mal Buddhist in einem früheren Leben und habe mir dieses Leben aus meiner selbstlosen inneren Haltung heraus kreiert. Habe mir Eltern kreiert, die unfähig waren, Eltern zu sein, liebevoll zu sein, weil ich aus meinem sprituellen Hochmut heraus vielleicht gedacht habe, dass ich nichts brauche. Und in diesem Leben soll ich vielleicht lernen, dass das so nicht funktioniert – und wieder ganz Mensch werden, anstatt mich mit meinem spirituellen Ego über das Mensch sein zu stellen. Ein Mensch, der Bedürfnisse hat und manchmal in der Not ist, gar nicht zu wissen, wie er sie sich selbst erfüllen soll.

Ein Mensch, der hilflos ist mit sich selbst.

>>>

Ich habe mich für die Gnade, die möglicherweise durch einen besonderen Bewusstseinszustand, und/oder durch bestimmte Umstände und/oder durch andere Menschen kommt, geöffnet.

Ich habe meinen Raumschiff Kurs deshalb noch einmal geändert und mir erlaubt, dass ich auch Aufmerksamkeit und Liebe, Verständnis – all das, was ich immer vermisst habe – empfangen darf und nicht selber alleine für die Erfüllung all meiner Bedürfnisse sorgen muss. Ich erlaube mir die Menschen in mein Leben zu ziehen, mit denen ich mich gerne austauschen würde. Ich erlaube mir in jeder Hinsicht Aufmerksamkeit zu erhalten.

Und hoffe dass diese mal zu mir kommen, und an meine Türe klopfe und fragen "hey was spielst du denn eigendlich gerade? Ich habe lange nichts von dir gehört. Ich habe dich vermisst. Oder ich habe dich immer gesucht. Ja genau dich."

Das ist die tiefe Sehnsucht von Enneagramm Typ 2. Aber weil die 2 (Der Helfer) das ja nie erfahren hat, genau wie Typ 5 (der Versteher) der imemr nur erfahren hat, dass er nicht erwünscht ist, und sich deshalb in den Verstand geflüchtet hat, ist das einfach schwer zu glauben, denn es erscheint einem so unwahrscheinlich wie ein 6er im Lotto.

Und wie soll man dann aus, der Tendenz immer das Steuer in der Hand zu haben, um sich wenigstens ein bisschen kompensatorische Selbstliebe zu geben, durchs Universum fahren?

Ich weiß nicht ob das je passieren wird, geschweige denn wie ich daran glauben soll. Und gleichzeitig habe ich eben keinen Frieden damit.

Wenn man immer alles alleine tragen musste auf seinen Schultern, weil man dazu genötigt wurde, dann kann das auch daran liegen, dass man sich nicht erlaubt, loszulassen zu empfangen.

Und bin total gespannt ob sich etwas ändert, aber ich habe auch Angst dass da nichts kommt, das ist eine Angst die dadurch ausgelöst wurde, dass diese Eltern mich nie aufgefangen haben, wenn ich mal loslgelassen habe. Und das ist ein Kreislauf aus Angst, weshalb man immer wieder das Steuer übernimmt.

Ich habe meinen Raumschiff Kurs nun auf Empfangen gestellt, aber das Steuer loslassen kann ich vielleicht nicht.

Ich hoffe dass mein Raumschiff eines Tages mit anderen Sternen und deren Bewohnern kollidiert, wo ich dann zufällig vielleicht einen oder mehrere andere Außerirdische treffe, vielleicht einen kleinen Prinzen mit weit offenen Herzen, und Menschen oder andere Wesen, die so ein bischen sind wie ich, wo ich mich nicht pausenlos für mein sosein erklären muss, und sich einfach mal jemand für mich interessiert, und mag wie ich bin. Mit meinem offenen Herzen und mit meinem überkompensatorischen Verstehen und meine vielen Worten und den das nicht stört, sondern der mich genau dafür liebt.

Und selbst wenn ich in einem früheren Leben ein Buddhist gewesen sein sollte und dieses Leben aus meinem Hochmut der Selbstlosigkeit heraus, diese leidvolle Qualität bekommen hat, dann war dieser Buddhist auch mal ein unschuldiges kleines Kind, dass in diese selbstlose Denkweise hineinerzogen worden ist, und deshalb ist selbst der hochmütige Spirituelle unschuldig an seinem Schicksaal und hat es unter allen Umständen verdient, Gnade zu empfangen und erlöst zu werden.

Und im Zweifelsfall, schreibe ich meine Texte immer für mich SELBST.

Auch wenn das manchmal so aussehen mag, als ob ich in Selbstlosigkeit handele, ich habe bei jedem einzelnen Text den ich schrieb etwas für mich selbst gefunden oder geübt. Und natürlich freue ich mich, sehr, wenn auch andere Menschen an meinen Texten etwas finden. Das wünsche ich mir oft.

>>> ENDE <<<
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RE: Das Enneagramm
#71
10.02.2025, 15:59 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.02.2025, 15:59 von ichbinmehr.)
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Enneagramm Typ 5 und der Entwicklungspunkt Typ 8

Ich hatte heute eine friedvolle Versöhnung mit meinem Freund R, meinem Entwicklungspunkt im Enneagramm. R. ist ein Enneagramm-Typen 8, den ich seit fast 30 Jahren kenne und der lange Zeit mein bester Freund war. Der Prozess zu dieser Einsicht, die heute fiel, läuft natürlich schon mein ganzes Leben lang, und projizierte sich auf unterschiedliche Menschen und Systeme. Ich denke, der Text, den ich kürzlich (an anderer Stelle) über meinen Unfrieden mit den 8ern geschrieben hatte, hat meinen Aufmerksamkeitsfokus nochmal darauf gebracht. Und dann erlebe ich eben oft "zufällig" Situationen, die ich in mein Leben ziehe.

So wie ein entfernter Bekannter X, der die Tage mal wieder Sprüche unserer Wacken WhatsApp-Gruppe gepostet hatte, die, naja, wie soll ich sagen, in Teilen als rechtsextrem aufgefasst werden könnten, während ein anderer Teil von mir denkt, vielleicht hat er es gar nicht so gemeint und mal wieder Verständnis hatte. Und zuerst habe ich eine sehr diplomatische relativierende Botschaft gesendet, wo ich zwar auf die Art der Sprache verwies und um Reflexion bat, ich im Anschluss aber nicht das Gefühl hatte, die Person irgendwie mal mit meinem Punkt erreicht zu haben, denn sie schien keine Anstalten zu machen, ihr Verhalten selbstkritisch zu sehen.

Dann verließ eine Freundin die Gruppe, mit der ich ebenfalls über zwei Jahrzehnte befreundet bin, um ein Statement gegen diese zum rechtsextremen tendierenden Sprache von X zu setzen, was aber aufgrund seltsamer technischer Einstellungen der WhatsApp-Gruppe niemand außer mir und R, der 8, mitbekam. Und R äußerte mir gegenüber seine Unsicherheit und Zerrissenheit, da der Typ, der den dummen Spruch gebracht hat, ja auch mit nach Wacken fährt und direkter Nachbar und Freund von wiederum jemand anders aus der Gruppe ist.

Und so fühlte ich eine Verantwortung und habe einen, zwar wie fast immer, sachlichen Text geschrieben, diesen aber eben mit der typischen Klarheit und dem Bedacht auf Grenzen setzen, wie es typisch für eine 8 ist. Und ich habe echt lange an dem Text herumgefeilt, bis ich das Gefühl hatte, ja, jetzt enthält mein Text Anteile aller drei Energiezentren des Enneagramms: Kopf (Sachlichkeit), Herz (Mitgefühl) und Bauch (Durchsetzungskraft und Klarheit) und erkannte, dass ich früher so oft Dinge nicht durchsetzen konnte, weil mir immer diese Klarheit fehlte. Meine Überbetonung von Herz und Kopfzentrum, verdrängt oft das Bauchzentrum.

Aber als ich dann heute Morgen in die Gruppe schaute und meine Klarheit, die ich am Abend zuvor zu Tage brachte, und die weiteren Reaktionen der anderen Gruppenmitglieder dazu führten, dass die betreffende Person wahrscheinlich aus der Hauptgruppe, die dem sozialen Austausch dient, rausgehen wird und nur noch in der zweiten Gruppe, wo es um die Festivalplanung geht, teilnehmen wird, fühlte ich mich schlecht. Und ich erkannte: Das ist genau das Gefühl, womit ich mich sonst nie konfrontieren will, und weshalb ich häufig, eben aus der Vermeidung dieses Gefühls heraus, immer und unter allen Umständen sehr viel Verständnis für die Beweggründe anderer Menschen habe, und mich im Versuch alle Perspektiven zu berücksichten auch oft verliere. Und für eine Philosophin für mich ist das ja vielleicht auch eine gute Eigenschaft, aber um konkrete Dinge zu gestalten, manchmal nicht so geeignet.

Und ich fühlte das erste Mal diese Last, die mein Freund R. all die Jahre für mich und andere getragen hatte, nämlich klare Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese manchmal die Sensibilitäten und Bedürfnisse anderer nicht vollständig berücksichtigt hatten, oder etwas polterig zum Ausruck kamen, denn man kann nicht immer alle Perspektiven berücksichtigen. Und wenn man um Klarheit bemüht ist, dann findet man auch nicht immer sensible und mitgefühlende Worte.

Und so erlebte ich, wie nun zwei andere heute meine Rolle spielten, die des Verständnisses und dass er das ja vielleicht nicht so gemeint hat, um mich auszugleichen, weil ich so klar war.

Meinem Freund R schrieb ich heute folgendes:

Hey R. normal

Jetzt weiß ich, warum du die harten Entscheidungen sonst treffen durftest. Es macht keinen Spaß, der Buhmann zu sein. Danke, dass du so oft Dinge mit Klarheit entschieden hast, denn ich spüre gerade mal, wie schwer mir das fällt. Das ist eben etwas, was ich oft echt vermeide, indem ich immer alles und alle verstehen will. Ich vermeide, wann immer möglich, so eine Klarheit zu bringen.

Aber ich musste das jetzt vor allem für mich selbst machen, weil dieses ständige Verständnis haben für Dinge, die ich an sich nicht gut finde, bei mir eben auch oft dazu geführt hat, dass ich mich chronisch hilflos gefühlt habe und nichts bewegen konnte.

Und mir ging's auch nicht nur um den X. Ich habe um eine Haltung zu der ganzen Sache gerungen, auch gesamtgesellschaftlich, und die hab ich jetzt gezeigt.

Nie wieder ist JETZT. Und es beginnt in den kleinen Momenten, in denen wir nicht wegschauen.

Manchmal braucht es wohl eine etwas härtere Klarheit, um etwas zu bewegen, und jetzt konnte ich mal fühlen, dass hat positive und negative Seiten.

Früher, wo ich noch etwas jünger und unbedarfter war, hast du oft Dinge für uns und mich entschieden, weil du die Stärke und Vernunft dazu hattest und uns allen Struktur gegeben hast, weil viele von uns das auch gebraucht haben. Z.B. als ein XY für sein Verhalten eine klare Konsequenz bekommen hat, aber auch in vielen kleinen Dingen. Ohne dich wären wir viel herumgeirrt und hätten vielleicht auch nicht so einen beständigen Frieden in unserer Gruppe erlebt. Du hast unsere Gruppe und alle fragilen und sensiblen Menschen darin damit oft beschützt und das habe ich in der Vergangenheit zu wenig gewürdigt.

Und ich habe deine Klarheit oft kritisiert. Der 8 im Enneagramm wird oft nachgesagt, sie sehe die Welt schwarz-weiß, aber wie soll man noch Entscheidungen treffen, wenn man immer die unendliche Perspektive sieht, so wie ich es bevorzugt tue? Aber heute, wo ich mich damit beschäftige, diese Klarheit in mir selbst zu finden, sie selbst zu verkörpern, mal einen Tag in deinen Schuhen zu gehen, weil ich erwachsen und unabhängig sein möchte und nicht immer jemanden im Background haben kann, der mir alle harten Entscheidungen abnimmt, kann ich besser nachvollziehen, wie sehr du uns allen immer damit gedient hast, dass du das immer konntest, weil du eben immer schon sehr erwachsen, sachlich, vernünftig, klar und durchsetzungsfreudig warst und das alles für so viele Menschen immer aufgefangen hast.

Ich hoffe, du kannst das Lob annehmen!  normal

Ich habe gerade gelernt, dass, wenn man etwas bewirken will, eine gewisse Klarheit und Strenge braucht. Gleichzeitig trifft man dabei manchmal Menschen, wird ihnen vielleicht nicht ganz gerecht und kann nicht so empathisch sein. Das Mitgefühl muss man dann manchmal etwas zurückstellen, und deshalb liegt die Herzenergie bei Typ 8 im Schatten der 2.

Aber heute habe ich auch erkannt, dass nur weil man klar und entscheidungsfreudig ist, das nicht bedeutet, dass man kein Mitgefühl besitzt oder Entscheidungen nicht umsichtig abwägt. Denn ich hatte Mitgefühl dafür, dass X das aus einer naiven Unbedachtheit gesagt hatte, und ich habe lange darüber nachgedacht, was die beste Entscheidung auch für X wäre. Dabei habe ich gelernt, dass ich der 8 nicht absprechen sollte, empathisch oder reflektiert zu sein, obwohl sie manchmal eine klare, schwarz-weiße Entscheidung trifft. Denn immerhin trifft sie die Entscheidung und trägt diese, die ich selbst oft nicht hervorgebracht habe, in meinem unendlichen Philosophieren und Berücksichtigen aller Perspektiven.

Eine Entscheidung ist immer ein Scheideweg, weshalb mir klare Entscheidungen so schwerfallen, und ich oft lieber für alle Seiten Verständnis habe und eine sanftere Position einbringe. Ich will immer alle Perspektiven berücksichtigen und vereinen, eine schöne Ideologie (grünes Mem), die aber manchmal an der harten Realität vorbeigeht.

Jetzt darf heute jemand anders mal das Sanfte sein, um alles, wo ich zu hart war und Klarheit eingefordert habe, wieder auszugleichen.

Ich glaube, ich kann ab jetzt noch mehr schätzen, was du immer für uns getan hast, und mich noch ein bisschen mehr zurücklehnen, weil ich bei dir oft sicher und in guten Händen war, wenn du die klaren Entscheidungen getroffen hast.

Und ich muss mit dir nicht mehr um Machtverhältnisse kämpfen, denn ich kann froh sein, dass diese Klarheit dir mehr liegt als mir, und ich mich in dieser Hinsicht oft um nichts kümmern muss und dieses für mich perfekt ist. Aber dass kann ich dir R. auch nur so sagen, weil die Grundlage deiner Entscheidungen aus dem größtmöglichen Bemühen um Objektivität heraus triffst, was nicht bei jeder 8 gegeben ist.

Ich hoffe, dass dich meine Worte des Friedens bzgl. unserer Konflikte in der Vergangenheit erreicht haben.

Und ich muss das jetzt vielleicht mal aushalten können, heute einmal der "Böse" zu sein.

Außerdem muss ich ja mit dem X wahrscheinlich erstmal nicht nach Wacken fahren, deshalb kann ich das ja auch mal machen.

Und es braucht ja auch den guten Cop, der weiterhin mit X befreundet ist und Empathie und Verständnis hat, dafür, dass er das ja gar nicht so gemeint hat. Denn man ändert seine Meinung zu bestimmten Dingen oft auch nur durch soziale Bindungen und nicht, indem man ausgeschlossen wird.

Und während ich diesen Text an R. schrieb, dachte ich auch an jede Person in meinem Leben, angefangen von meiner Mutter,  die entscheidungen für mich traf, und meine Bedürfnisse und Sensibilitäten oft nicht berücksichten konnte. Ich dachte an Lehrer*innen in der Schule, über Chefs und Vorgesetzte auf der Arbeit, bis hin zu Politikern, die Dinge entscheiden und mir diese Entscheidung abnehmen.

Aber ich denke auch an die Internetforen, und vor allem natürlich an das Klartraumforum, das mir so am Herzen liegt, wo ich in der Vergangenheit manchmal nicht mit allen Entscheidungen einverstanden war, weil sie mir zum Teil zu hart waren und nicht alle Perspektiven berücksichtigen konnten.

An all diese Instanzen denke ich heute, an all die Situationen, wo jemand anders entschieden hat, klar war, die Verantwortung übernommen hat und durch das Setzen von Grenzen viele andere beschützt hat.

Und vielleicht kann ich mich, weil ich die Stärke und Entscheidungsklarheit von Typ 8 nach diesem kleinen Ausflug in die Schuhe meines Freundes R einem Enneagramm Typ 8ter verstehen kann, in Zukunft mehr zurücklehnen, wenn eine 8 oder jemand, der sich dazu berufen fühlt, die Klarheit einer Entscheidung zu tragen, und mich selbst mehr entspannen, weil ich ja im Grunde auch froh bin, dass ich das nicht machen muss.

Und ich dachte heute auch nochmal an meinen Discord-Server, wo ich vor Jahren mal versucht hatte, eine spirituelle Community aufzubauen, und wo dieser Ort, den ich dort erschaffen wollte, zerstört wurde, weil ich es nicht schaffte, meine Grenzen und Werte mit dieser Klarheit zu beschützen und immer für alle und jeden Verständnis und Mitgefühl hatte. Ich konnte heute nochmal herzlich darüber lachen, als ich meine Fehler erkannte, aber vielleicht bin ich dafür auch einfach nicht gemacht.

Ich bin ja eine 5, ein Versteher, dazu noch mit Flügel zur emotionalen 4. Und es muss ja auch Menschen geben, die Verständnis mit denjenigen haben, die im Zuge einer klaren Entscheidungsfindung manchmal auf der Strecke bleiben, die ausgegrenzt werden, weil es dem Wohlergehen anderer Menschen dient, dass Sensibilitäten manchmal keinen Platz haben.

Dennoch habe ich es manchmal gegenüber der 8 auch sehr vermisst etwas eigenes einbringen oder mitgestalten zu können, vor allem dann wenn es sich um sensible Themen handelt, die auf Grund der Notwendigkeit eine klare Entscheidung zu treffen, bei Typ 8 manchmal im Schatten liegt.
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