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Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Druckversion

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Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 17.01.2026

Ich habe öfters Ideen zu neuen Threads, aber meistens wird nichts draus, weil ich Angst vor Nichterfolg habe, d.h. davor, dass ich keine Antwort kriege, kein Danke kriege, keine Klicks kriege, die anzeigen, dass es jemand gelesen hat. 

In diesen Thread wollte ich verschiedene Sachen hineinschreiben. Vielleicht fällt mir ja noch was davon ein. 

Ach ja, die Psyche kann sich selbst nicht erlösen. 

Sie braucht dazu immer irgendein Hilfsmittel, wie z.B. ein Blatt Papier wo man seine Gedanken aufschreibt und dadurch loswird. Man kann aber genauso gut zu einem Therapeuten gehen. Ist bloß ein längerer Weg. Neuerdings habe ich angefangen aufs Handy zu sprechen. Ich nutze dazu die Video-Funktion. Ich richte die Kamera dabei nicht auf mich selbst sondern auf irgendwelche Dinge im Zimmer. Das kann auch ein Monitor oder Fernseher sein und da kann ja bekanntlich eine Menge zu sehen sein. Und dann rede ich. Nach ein paar Minuten, Stunden oder Tagen höre ich es wieder ab.

Ich bin mir sicher, dass mir dieser Thread Qualen bereiten wird, durch entweder "gar keine Antworten" oder "unverständige Antworten" oder irgendwelche andere Antworten die mich in den Wahnsinn treiben. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich diese Qualen wieder beenden kann, ohne die Hilfe von "jemand".

Die Psyche ist immer mit irgendwas beschäftigt. Das können innere oder äußere Dinge sein. 

Die Psyche ist die Kommandozentrale des Körpers. 

Die Psyche hat von mir verlangt, dass ich diesen Thread eröffne. 

Die Psyche sagt mir, dass es falsch war diesen Thread zu eröffnen.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 17.01.2026

Ich habe Depressionen (endogen und reaktiv, was vor über 30 Jahren diagnostiziert wurde). Außerdem habe ich eine schizoide Persönlichkeitsstörung. 
Das wollte ich nur erwähnen.

Je nach Störung die man hat sind unterschiedliche Methoden der Selbsthilfe sinnvoll oder möglich. Manche Leute sind, aufgrund der Struktur oder Art ihrer psychischen Störung gar nicht in der Lage sich selbst zu helfen und sind daher tatsächlich auf die Hilfe anderer angewiesen.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - ichbinmehr - 17.01.2026

Hallo Likeplacid,

welche Art von Antwort wünschst du dir denn?
(eher Mitgefühl/aktives Zuhören oder eher konkrete Gedanken/Feedback?)

Und worum geht’s dir im Kern: Was ist die eine Frage, auf die du wirklich Resonanz brauchst?

(Manchmal hilft es nämlich, sie ganz konkret zu formuliere, dann wissen die Leute leichter, worauf sie antworten sollen.)

Liebe Grüße



RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Hans Alfson - 17.01.2026

Hallo Likeplacid,

da ich dazu neige erst einmal zu hinterfragen, was überhaupt mit einem Begriff, hier "Psyche", gemeint sein könnte, habe ich ChatGPT nach einer Definition gefragt:
ChatGPT schrieb:Der Begriff „Psyche“ stammt aus dem Griechischen (psychḗ) und bedeutet ursprünglich „Atem“, „Seele“ oder „Lebenskraft“. In der heutigen Wissenschaft wird er präziser verwendet.

Definition:
Unter der Psyche versteht man die Gesamtheit aller inneren Erlebnisse und geistigen Prozesse eines Menschen (oder allgemein eines Lebewesens). Dazu gehören:

Wahrnehmen (z. B. sehen, hören, fühlen)
Denken und Erinnern
Fühlen (Emotionen, Stimmungen)
Motivation und Antrieb
Bewusstsein und Selbstwahrnehmung
Unbewusste Prozesse

Kurz gesagt:
? Die Psyche umfasst alles, was im Inneren eines Menschen erlebt, gedacht, gefühlt und verarbeitet wird.

Diese für mich plausible Definitions führt mich sofort zum dem Schluß, dass eine vollständige "Erlösung von den Qualen der Psyche" mit dem Tod des betroffenen Individuums identisch wäre.
Wir können daher allenfalls Teilaspekte der Psyche betrachten, die uns besonders quälen. Es sei denn, deine Definition von „Psyche“ weicht von dieser ab.

LG
Hans


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - xMANIACx - 17.01.2026

Ui. Mir ist da nicht ganz wohl bei. Für mich könnte dieser Thread zu viel Verantwortung beinhalten, weil ich das hier geschriebene als sehr sensibel betrachte und ich da raus bin.

Ich hoffe, du hast gute Unterstützung, Likeplacid, und falls du diese nicht hast, hoffe ich, dass du weißt, wo du sie findest und finden kannst.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 17.01.2026

Es sind schon drei Antworten reingekommen, dafür Danke, denn nichts ich schlimmer als ignoriert zu werden, wenn man eine Resonanz wünscht. Der Grund wieso ich den Thread aufmachte war aber auch der Wunsch, darauf aufmerksam zu machen, dass man sich selbst helfen kann, auch in Situationen wo alles aussichtslos erscheint. So habe ich mich z.B. unzählige Male aus den tiefsten Depressionen befreit, indem ich irgendein Buch aufgeschlagen habe, an irgendeiner Stelle. Wenn man etwas liest, was mit dem Problem des Deprimiertseins überhaupt nichts zu tun hat, dann ist das oft die Erlösung. Ich weiß nicht genau, wieso das so ist. Aber ich vermute, dass die "Gedanken der Depression" dadurch beschädigt werden, oder man könnte auch sagen "aufgelöst". 

Wenn man Bücher über Depression liest, dann findet man solche Ratschläge wohl er nicht, vor allem dann nicht, wenn der Autor ein Psychotherapeut ist oder jemand der Anti-Depressiva herstellt, verkauft oder verschreibt. Der Psychotherapeut sieht sich selbst als die einzige mögliche Hilfe an, und wenn er unsicher ist, dann rät er vielleicht auch noch dazu Anti-Depressiva zu nehmen, oder sie sich verschreiben zu lassen.

Ich nehme übrigens selbst auch was, Johnanniskraut, das ja den Ruf hat gegen Depressionen zu helfen. Ob es tatsächlich hilft, weiß ich nicht. Aber ich glaube es lässt mich besser schlafen und es scheint auch der Migräne entgegenzuwirken.

Ich glaube, ich mache Fortschritte, was den Umgang mit Threads angeht. Man muss nicht gleich auf alles antworten, was man liest. Man muss auch nicht gleich auf Danke klicken um sich schnell der scheinbaren Verpflichtung antworten zu müssen, zu entledigen. 

Die Antwort von Hans werde ich mir noch mal genauer durchlesen. Dazu wird mir vermutlich noch was einfallen. Aber eigentlich ist mir schon vorhin "noch was eingefallen". Aber das aufzuschreiben habe ich jetzt keine Lust mehr.

(17.01.2026, 13:57)Hans Alfson schrieb: Diese für mich plausible Definitions führt mich sofort zum dem Schluß, dass eine vollständige "Erlösung von den Qualen der Psyche" mit dem Tod des betroffenen Individuums identisch wäre.
Wir können daher allenfalls Teilaspekte der Psyche betrachten, die uns besonders quälen. Es sei denn, deine Definition von „Psyche“ weicht von dieser ab.

Das ist die beste Antwort, die ich seit langem im Internet gekriegt habe. Ist ungefähr 20 Jahre her. 

Die vollständige Erlösung von Qualen der Psyche zu versprechen wäre quasi religiös. Dies wird vor allem vom Buddhismus versprochen. Auch das Christentum macht Versprechungen. 

Teilaspekten der Psyche sind vermutlich meistens Teilaspekte der äußeren Realität zugeordnet, wozu man auch den erlebbaren eigenen Körper rechnen mag.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 17.01.2026

Oben schrieb ich, die Psyche könne sich selbst nicht erlösen. Sie bräuchte immer irgendein äußeres Hilfsmittel.

Dazu ist mir vorhin noch was eingefallen:

Im Schlaf ist das was anderes. Auch im Schlafen bereitet sich die Seele (Psyche) Qualen. Aber da sie keinen direkten Zugriff auf äußere Dinge hat, halluziniert sie. Das nennt man Traum. Indem die Seele im Schlaf halluziniert, erschafft sie sich äußere Hilfsmittel, die sie von ihren Qualen (Freud sprach von "Triebspannungen") erlöst.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 17.01.2026

(17.01.2026, 13:02)ichbinmehr schrieb:
Hallo Likeplacid,

welche Art von Antwort wünschst du dir denn?
(eher Mitgefühl/aktives Zuhören oder eher konkrete Gedanken/Feedback?)

Und worum geht’s dir im Kern: Was ist die eine Frage, auf die du wirklich Resonanz brauchst?

(Manchmal hilft es nämlich, sie ganz konkret zu formuliere,  dann wissen die Leute leichter, worauf sie antworten sollen.)

Ich hab keine Frage. Ich habe Antworten. Aber interressiert wohl keinen, oder fast keinen.

(17.01.2026, 14:50)xMANIACx schrieb: Ich hoffe, du hast gute Unterstützung, Likeplacid, und falls du diese nicht hast, hoffe ich, dass du weißt, wo du sie findest und finden kannst.

Na, von dir kommt sie jedenfalls nicht.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 18.01.2026

Die Psyche erlöst sich von ihren Qualen also selbst. Aber sie braucht dazu äußere Hilfsmittel (außer im Schlaf, wo sie sich diese halluzinatorisch selbst erschafft). Im psychoanalytischen Sinn sind Qualen nichts anderes Triebspannungen. Triebe im psychoanalytischen Sinn, sind angeborene einfache Bedürfnisse wie Sex und Nahrungsaufnahme, vielleicht auch menschlicher Kontakt. In der frühen Psychoanalyse unterschied man Ich-Triebe und sexuelle Triebe. Vereinfacht ausgedrückt ist das Überlebenstrieb (also der Wunsch weiter zu leben) und der Wunsch nach sexueller Betätigung. 

Freud hat die Unterscheidung von Ich-Trieben und sexuellen Trieben formal bis zu seinem letzten Lebensjahr aufrecht erhalten, auch wenn er über Ich-Triebe in den letzten drei Jahrzehnten seines Lebens nicht mehr viel geschrieben hat. Unter Ich-Trieben wurde alles zusammengefasst, was mit dem Überleben zusammenhängt, wozu aber auch das Zurechtkommen in der Kultur gerechnet wurde, oder anders formuliert: der Wunsch sich an die Kultur anzupassen und in der weiteren Steigerung: der Wunsch eine Kultur zu schaffen oder kulturelle Werte zu schaffen. Dass ich diesen Beitrag verfasse ist dann also eine Wirkung der Ich-Triebe. 

Wie schon angedeutet, die Ich-Triebe verloren in der Psychoanalyse an Beachtung. In den Fokus des Interesses kam der Begriff des Narzissmus. Seitdem ist es in der Psychoanalyse ein Fakt, dass die Psyche nur deshalb nicht ständig unter unerträglichen Triebspannungen leidet, weil sie sich selbst liebt.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 21.01.2026

Der Gegensatz von Freude und Leiden erscheint den meisten selbstverständlich. Aber weder Gott noch Teufel haben diesen Gegensatz geschaffen. Es gibt ihn einfach. 

Gesunde Persönlichkeiten erleben vermutlich niemals tiefes Leid, sondern nur erträgliches Leid. Letztlich weiß man aber gar nichts. Wie sich ein glücklicher Mensch fühlt weiß er nur selbst. 

Ich las vor einigen Wochen in der Regionalbahn den Wikipedia Artikel über Differentielle Psychologie (nicht den ganzen, denn er ist sehr lang). Die Leute, die sie betreiben sind Helden. Denn im Grunde ist es aussichtslos. Es gibt nichts zu messen, es gibt nichts zu zählen, zumindest nicht in dem Sinne, wie es in den königlichen Wissenschaften Physik und Chemie möglich ist.

Die Unterschiede zwischen den Menschen sind im Grunde genommen unbestimmbar groß. Man weiß nicht wie sich das Erleben zweier glücklicher Menschen unterscheidet. Dass ein Unterschied da sein muss, scheint mir unbestreitbar. Ein Mensch kann mit Worten beschreiben wie er sich fühlt, oder er kann auf eine Frage betreffend seiner Glücksgefühls mit Ja antworten. Man kann ihn fragen "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie glücklich sind Sie, wenn 10 das höchste Glück ist?" Wenn jemand antwortet 10, was bedeutet es? Vielleicht ist er bloß manisch oder findet es lustig Psychologen zu veräppeln. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Differentielle_Psychologie

Natürlich beschäftigt man sich in der Differentiellen Psychologie nicht mit Depressiven. Das ist ja Sache der Klinischen Psychologie. Und wo die ihre "Daten" hernehmen weiß ich nicht.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Liri - 21.01.2026

Gesunde Menschen verlieren vielleicht ein Kind, einen geliebten Angehörigen, werden lebensbedrohlich krank, kommen ins KZ. Das ist dann auch kein erträgliches Leid mehr.


RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - ichbinmehr - 21.01.2026

1) Antworten statt Fragen – und die Ambivalenz dazwischen

Ich habe nochmal über das nachgedacht, was du geschrieben hast, besonders über den Punkt, dass du sagst, du hast keine Fragen mehr, sondern Antworten.

Erstmal möchte ich dir sagen: Ich finde das grundsätzlich stark. Wenn jemand für sich an einen Punkt kommt, an dem er Dinge klarer sieht und weniger im Suchen ist, dann ist das für mich nichts Negatives, im Gegenteil.

Und ich nehme dich auch wirklich schon lange so wahr, dass du viele interessante Gedanken hast.

Gleichzeitig gibt es etwas, das ich dir vorsichtig rückmelden möchte, und ich hoffe, du kannst es wirklich als Einladung verstehen und nicht als Kritik.

Denn während du auf der Inhaltsebene von Antworten sprichst, höre ich zwischen den Zeilen manchmal trotzdem etwas anderes mit. Einerseits klingt da viel Klarheit, Stärke und Souveränität, und andererseits schwingt für mich manchmal auch etwas Verletzliches mit, vielleicht auch Hilflosigkeit oder das Gefühl,
nicht wirklich gehört zu werden.

Und ich sage das nicht, um dich abzuwerten.

Denn Hilflosigkeit ist für mich kein Makel und kein Defizit, sie gehört für mich einfach zum Menschsein dazu, und für mich bedeutet es menschliche Größe, wenn man seine Verletzlichkeit kontaktieren und anderen mitteilen kann. Von daher erlebe ich sogar immer dann besondere Menschliche Größe, wenn jemand auchoffen über seine seine Suche spricht und auch seine Ahnungslosigkeit nicht verbergen muss.

Überhaupt ist Ahnungslosigkeit ein vollkommen unterschätzter Zustand. Die Zen-Buddhisten nennen ihn Anfängergeist und deuten ihn als Zustand höchster Erleuchtung.

Manchmal entsteht für mich beim Lesen eine Art Ambivalenz, die ich schwer in Worte fassen kann.

Es wirkt dann so, als wären da durchaus Fragen oder Bedürfnisse, aber sie tauchen nicht als Fragen auf, sondern in Form von Antworten oder Positionen. Und dadurch weiß ich manchmal nicht so richtig, wie ich dir begegnen soll.

Ich merke dann: In mir entsteht Unsicherheit, weil ich mich selbst nicht kompetent genug fühle,
mit so einem Spannungsfeld gut umzugehen.

Ich brauche oft etwas mehr Klarheit: Was genau ist gerade gewünscht? Geht es um Austausch? Um Resonanz? Um Mitgefühl? Um einen konkreten Blick von außen? Oder einfach nur ums Gehörtwerden?

Und dann passiert manchmal bei mir Folgendes: Wenn ich spüre, dass da etwas Schmerz oder Bedürftigkeit mitschwingt, möchte ich natürlich gern hilfreich sein. Aber wenn ich dann einen Schritt näher komme und frage „Was brauchst du? Wie kann ich da sein?“, kommt gelegentlich etwas zurück wie „Ich will ja gar nichts von dir“.

Und dann bin ich ehrlich gesagt manchmal ratlos, weil ich mich in so einem „Komm her – geh weg“-Muster wiederfinde, ohne dass ich weiß, wie ich stimmig reagieren kann.

Ich möchte dir deshalb einfach transparent sagen: Es ist keine böse Absicht, wenn du dich von mir manchmal nicht richtig verstanden fühlst. Ich glaube wirklich, dass ich gute Absichten hatte und dich unterstützen wollte.

Ich brauche aber manchmal mehr innere Klarheit von meinem Gegenüber, oder sagen wir eine genauere Auftraglage damit ich nicht an der eigentlichen Intention vorbeirede. Und ja – offenbar ist mein Beitrag diesmal an dir vorbeigegangen.

Und ich frage mich, ganz ehrlich und ein bisschen frech: Hätte ich in der Situation überhaupt irgendwas sagen können, das für dich stimmig gewesen wäre?

>>>


Nun zu Punkt 2) - was Religionen wirklich versprechen

Zitat:Likeplacid sagt: Die vollständige Erlösung von Qualen der Psyche zu versprechen wäre quasi religiös. Dies wird vor allem vom Buddhismus versprochen. Auch das Christentum macht Versprechungen.

Ich möchte an der Stelle gerne noch etwas differenzieren, weil ich mir nicht sicher bin, ob in religiösen Konzepten wie Buddhismus oder Christentum wirklich eine so absolute und dauerhafte Erlösung vom Leiden versprochen wird, wie es manchmal verstanden wird.

Denn da liegt für mich ein Paradox: Auf der einen Seite gibt es Texte, Bilder und Erzählungen, die nach vollständiger Befreiung klingen, und ich verstehe daher wie du zu dieser Aussage kommen magst. Auf der anderen Seite wird zum Beispiel Christus mit einem blutenden, brennenden Herzen dargestellt. Also nicht als jemand, der „nichts mehr fühlt“, sondern als jemand, der bis in die Tiefe berührbar bleibt.

Jesus wurde ans Kreuz genagelt, von seinen Liebsten verraten, beschämt, erniedigt, entwürdigt.

Und selbst Buddha, also jemand, der als erwacht gilt, startet nicht mit einer Heilsphantasie, sondern mit einer radikalen Realität: „Leben ist Leiden“.

Die erste Edle Wahrheit in der buddhistischen Lehre ist keine Erlösungswerbung, sondern eine Diagnose:

Geburt, Altern, Krankheit, Verlust – und das alles gehört zum Menschsein. Der Buddhismus spricht also nicht nur von Befreiung, sondern zuerst einmal davon, dass Leid real ist.

Ich stimme dir insofern zu, dass viele Menschen Religion oder Spiritualität so lesen, als wäre das Ziel eine endgültige Erlösung vom Leid, wie ein „Endzustand“, in dem nichts mehr wehtut. Aber ich glaube, das ist eben auch eine Frage der Interpretation und spirituellen Tiefe. Ein Mensch, der das so einseitig behauptet, den würde ich nicht als erleuchtet ansehen, denn der verleugnet ja einen Teilaspekt der Wirklichkeit.

Wenn man selbst innerlich in dieser Hoffnung unterwegs ist,
wird man jeden spirituellen Weg so verstehen.

Ich glaube, du beschreibst an der Stelle vor allem deine eigene Deutung dieser Religionen, also wie du sie persönlich verstehst und für dich einordnest. Und das kann ja auch eine Funktion haben, gerade wenn du aus psychologischer Sicht nach stimmigen Erklärungen suchst.

Nur: Das, was du daraus ableitest, ist eher deine Deutung, und es entspricht so nicht der Lehre dieser Religionen.

Und wenn man aber die Möglichkeit zulässt, dass diese völlige Erlösung vielleicht gar nicht so erreichbar ist,
dann liest man dieselben Traditionen plötzlich anders.

Gerade im Buddhismus gibt es ja die zentrale Lehre des Mitgefühls, und zwar nicht nur als moralische Haltung, sondern als inneren Weg: Mitgefühl mit sich selbst, mit allen fühlenden Wesen und mit dem Leid, das man in sich trägt und in der Welt sieht.

Psychologisch könnte man sagen: Das ist auch eine Form von Coping-Strategie oder emotionaler Regulation, eine Fähigkeit, Leid zu halten, ohne daran zu zerbrechen.

Und das klingt für mich nicht nach „Ich bin erlöst und habe mit Leid nichts mehr zu tun“, sondern eher nach: Ich werde in meinem Menschsein so stabil und so weich zugleich, dass ich Leid nicht mehr vermeiden muss.

Ich glaube überhaupt, dass es verschiedene Vorstellungen von Erleuchtung gibt, und dass viele populäre Bilder davon eher vereinfachte Versionen sind. Sozusagen: spiritueller Populismus und gefährliches Halbwissen.

Diese Idee: „Einmal erwacht – und dann für immer frei von allem.“ Das wird gern gefeiert, weil es Hoffnung macht. Aber in der Tiefe ist es wahrscheinlich nicht so haltbar.

Es gibt ja nicht umsonst diesen Satz: „Nach der Erleuchtung kommt die nächste Erleuchtung.“ Und ich habe von vielen der ehrlichsten spirituellen Menschen gehört, dass sie genau das sagen:

Dass es diesen Zustand von völliger, dauerhafter Leidfreiheit vielleicht als Erlebnis gibt, als temporären Samadhi-Zustand, aber nicht als endgültige Lebensform, als ob man dann wie ein unzerbrechlicher Superheld nicht mehr vom Leid berührt wird.

Man kann temporär in Zustände eintreten, in denen sich alles frei anfühlt – Samadhi, Weite, Stille, Einheit.

Ja, das gibt es – aber Erleuchtung ist mit diesen Zuständen nicht gleichzusetzen.

Es gilt ja, in den 4. Zustand zu gelangen Turiya, den Zustand vor allen diesen Erscheinungen.

Ein Zustand von Samadhi, Glückseligkeit, Frieden, Leidfreiheit ist immer noch eine Erscheinung im Traum, immer noch ein Traumereignis, eine Traumgeschichte und deshalb noch nicht Erleuchtung.

Erleuchtung (Turiya)ist vor allem.

Vor allen Erscheinungen – und somit auch vor dem Frieden oder Unfrieden.

Und wenn man das verstanden hat, blickt man auch diese Zustände von Leidfreiheit als vergänglich.

Alles, was auftaucht, vergeht wieder. Und deshalb ist für mich die entscheidende Frage nicht: Wie komme ich für immer aus dem Leid raus? Sondern eher: Wie kann ich als Mensch mit dem, was in mir lebt, so umgehen, dass ich nicht ständig davon überwältigt werde?

Und genau da sehe ich, dass Religionen viel mehr enthalten als nur die Idee der endgültigen Befreiung. Es gibt darin auch sehr viele Wegbeschreibungen: Wie gehe ich mit Angst um? Wie mit Schuld? Wie mit Ohnmacht? Wie mit Schmerz? Wie mit Mitgefühl? Wie mit Vertrauen? Wie mit meiner Menschlichkeit?

Manchmal wirkt diese große Erlösungs-Vorstellung auf mich tatsächlich wie eine Art „Karotte“, die man dem Esel vor die Nase hält. Denn viele Menschen (mich eingeschlossen) hätten sich ohne diese Hoffnung möglicherweise nie auf den Weg gemacht.

Ohne Klarträumen hätte ich mich nie auf den Weg gemacht.

Erst die Idee, dass Erlösung überhaupt möglich sein könnte,
machte den Weg für mich überhaupt denkbar.

Nur: Ich habe persönlich niemanden getroffen, bei dem ich wirklich sagen würde: Das ist ein Mensch, der absolut und vollständig erlöst ist. Keinen. Nicht einen.

Deshalb heißt es ja auch: Wenn du Buddha triffst, töte ihn. Wenn du jemanden triffst, der sich vollständig mit Befreiung identifiziert, dann bitte hau den aus dieser Idee wieder raus, weil das eine Anhaftung an eine Idee ist.

Ich habe mir viele „Erleuchtete“ angeschaut – und keinen Buddha gefunden, der in diesem absoluten Sinn vollkommen erlöst wäre. Jeder hat auf seine Weise sein Kreuz getragen. Jeder hatte eine Leidensgeschichte, die nicht einfach automatisch „leer“ wurde, nur weil jemand spirituell weit war.

Vielleicht haben diese Menschen Wege gefunden, mit dem Leid anders umzugehen, durch Jahre der Selbstbeobachtung, der Meditation, der Selbsterkenntnis, durch Training, durch innere Disziplin, durch Psychotherpie. Aber das ist kein spiritueller Schnellschuss.

Dann ist das eine Lebensleistung.
Vielleicht sogar (falls es das gibt) die Leistung aus mehreren Leben.

Ich habe viele Menschen gesehen, die außergewöhnliche Einsichten hatten, tiefe Zustände kannten, große Präsenz ausstrahlten – aber niemanden, bei dem das Menschsein „weg“ war.

Und falls man so jemanden findet: Dann ist da häufig nicht Integration, sondern Abspaltung.

Und wo Abspaltung ist, entsteht Machtgefälle. Und wo Machtgefälle ist, entsteht früher oder später ein Risiko: Idealisierung, Abhängigkeit, Grenzverletzungen. Manche fallen dann irgendwann auf, weil sich Schatten nicht dauerhaft verstecken lassen, sei es durch narzisstische Dynamiken, durch Übergriffigkeit oder durch Formen von spirituellem Missbrauch.

Und genau deshalb vertraue ich eher den Lehrern und Meistern, die ihre Menschlichkeit nicht verstecken müssen. Die nicht so tun, als wären sie unberührbar und schon vollkommen.

Sondern die so ehrlich sind zu sagen: Ja, da ist Stille. Ja, da ist Freiheit. Ja, das ist ein Zustand des Friedens, den ich kontaktieren kann. Und ja – da ist auch weiterhin Menschsein. Auch ich erlebe weiterhin Ohnmacht, Hilflosigkeit und Schmerz.

Und ich traue keinem Buddha, der diese Ebene des Menschseins nicht auch verkörpern kann. Denn sonst wird Spiritualität schnell zur Flucht: zum Versuch, über das Leid hinwegzukommen, statt ihm wirklich zu begegnen.

Ich erinnere mich an einen Tantralehrer, den ich mal eine Zeit lang verfolgt habe. Er sagte in einem Interview, er sei über 20 Jahre in einem Erleuchtungszustand gewesen, in einem Zustand jenseits des physischen Körpers, und er dachte, er hätte es geschafft und sei frei – und dann sei er da nach 20 Jahren da wieder herausgefallen. Und er hat erkannt, er hat sich geirrt. Das war es noch gar nicht. Und daraus habe er etwas Entscheidendes gelernt: Dass für ihn das Menschsein der höchste spirituelle Zustand ist.

Weil nur jemand, der mit seinem Menschsein im Frieden ist, wirklich frei ist.

Und das führt für mich zu einer weiteren Konsequenz: Es wird letztlich fast egal, ob man religiös oder atheistisch auf diese Themen schaut. Denn dem Menschsein müssen wir ohnehin begegnen. Wir können nicht am Leid vorbei – nicht durch Spiritual Bypassing. Wir müssen dem Leid in uns begegnen.

Und das ist auch auf jedem ernsthaften spirituellen Weg so.

Aber dann stellt sich die nächste, sehr praktische Frage:

Wie begegne ich dem Leid in mir, ohne von ihm vereinnahmt zu werden?

Und da möchte ich einen eigenen Punkt aufmachen

>>>> weiter im nächsten Teil >>>



RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - ichbinmehr - 21.01.2026

3) Stabilität und Ressourcen – wie man nicht im Unbewussten untergeht

also der nächste Punkt ist ...

Wenn ich das Unbewusste als Wasser beschreibe: Wie tauche ich eine Hand hinein, ohne gleich unterzugehen?

Und da habe ich auf meinem Weg etwas Wichtiges gelernt: Es reicht nicht, sich nur immer tiefer mit Trauma und Schmerz zu beschäftigen. Es reicht nicht, nur zu analysieren, zu erinnern, zu verstehen.

Was es genauso braucht, ist innere Stabilität. Ressourcen. Erdung. Sicherheit. Kapazität. Container.

Damit man überhaupt tragen kann, was da auftaucht. Das ist ja auch der Grund, warum gute Therapie am Anfang nicht mit Trauma-Exposition beginnt, sondern mit Stabilisierung:

Ressourcen stärken, Selbstregulation aufbauen, Sicherheit vergrößern.

Und ich glaube, dass viele Menschen, gerade am Anfang, diesen Punkt nicht so präsent haben.

Man denkt: Ich muss nur mutig genug hinschauen.

Aber in Wahrheit geht es darum, nur so weit hinzuschauen, dass man nicht ertrinkt. Und zu verstehen, dass das Zeit braucht. Dass das ein Weg über Jahre ist. Bei schweren Traumata manchmal über Jahrzehnte. Ein Lebensprojekt.

Und genau deshalb finde ich diese „Karotte“ von Erlösung zwar problematisch, aber nicht völlig falsch. Denn ohne diese große Hoffnung hätten viele Menschen vielleicht nie angefangen. Die Erlösung erscheint dann wie ein heller Stern am Himmel, auf den man sich zubewegt.

Und oft merkt man erst unterwegs: Dieser Stern ist nicht ein einzelnes Ereignis.
Er ist ein Weg.

Und dieser Weg besteht aus vielen kleinen Schritten.

>>>

4) Das Monster zähmen

Ihr kennt bestimmt dieses bekannte Bild von Carl Jung mit dem Seeungeheuer.

[Bild: dasrotebuch20091005110736.jpg]

Bildquelle: https://www.diepresse.com/512855/das-rote-buch-geheime-traumwelt-des-c-g-jung



Und für mich beschreibt es ziemlich genau die zentrale Frage: Wie fange ich das Monster, ohne mich von ihm fressen zu lassen?

Wie nähere ich mich ihm so, dass ich jeden Tag nur ein kleines bisschen mehr Kapazität entwickle, dem Schrecken der Tiefe zu begegnen, statt mich zu überfordern? Wie werde ich so stabil, dass ich auch im Sturm bei mir bleiben kann?

Und ich glaube, viele machen am Anfang etwas sehr Menschliches: Sie wollen zu viel auf einmal. Sie wollen das Monster endlich loswerden.

Sie wollen es erledigen, besiegen, auflösen. Und das ist absolut verständlich.

Aber ich stelle mir das anders vor: Als würde dieses riesige Monster mit jedem kleinen Schritt ein winziges bisschen kleiner werden. Jeden Tag. Ein Zentimeter. Ein Prozent.

Bis es irgendwann nicht mehr wie ein Seeungeheuer ist, das einen verschlingen kann, sondern etwas, dem man wirklich begegnen kann. Vielleicht passt es irgendwann sogar ins Aquarium: nicht als niedlich gemachtes Problem, sondern als etwas, das seinen Schrecken verloren hat, weil man innerlich groß genug geworden ist.

Und genau deshalb ist meine Antwort so oft: Respektiere, dass das Zeit braucht.

Und ich gehe da noch weiter: Vielleicht kann man irgendwann auf seinem Rücken reiten, wie in diesem Song.

Man sollte nicht nur am Monster arbeiten, sondern auch an der eigenen Größe. An der inneren Stabilität. An der Fähigkeit, das überhaupt halten zu können.

Und genau das tust du ja schon, indem du anfängst, Antworten zu geben statt Fragen zu stellen. Das ist ja auch eine Art, größer zu werden: Du gehst nicht mehr nur in dieses „Hilfe, was ist das alles“, sondern du drehst es und sagst: Okay. Ich sehe was.

Ich kann das einordnen. Ich kann etwas geben. Das ist Stärke. Das ist erwachsen!

Nur: Man darf dabei nicht in die nächste Falle tappen, dadurch zu hochmütig zu werden.

Man kann auch zu schnell zu groß werden, und dann selbst wieder zum Monster werden.

Dann kommt subtil Hochmut rein. Dann schaut man plötzlich auf andere herab. Und dann denkt man irgendwann: Ich hab das Monster im Griff. Man ist es dann selbst geworden.

Und genau dann kann einem das Monster wieder entwischt.

Mein Tipp wäre deshalb: Werde groß – aber bleib offen.

Nicht zumachen. Nicht hart werden. Nicht denken: Ich hab’s verstanden, ich bin fertig.

Erleuchtung bedeutet nach meinem Verständnis genau diese offene Mitte, wo du groß bist, aber nicht zu bist. Wo du im Anfänger-Geist bleibst, auch dann, wenn du Lösungen für dich ganz persönlich gefunden hast.

Wo du stehen kannst, ohne hart zu werden.
Wo du weißt, und trotzdem nicht fertig bist.

Das vermögen nur sehr wenige. Wirklich wenige.

Ich habe da wirklich nur eine Handvoll Menschen gefunden, unter sehr vielen angeblich „Erleuchteten“, die diese Mitte halten können. Ohne sich wieder in einer Seite zu verlieren.

Ohne in eine neue Identifikation zu rutschen. Die meisten kippen irgendwann:

Entweder ins Opfer – oder in die „Ich hab’s gelöst“-Falle.

Aber diese offene Mitte, diese Größe ohne Zumachen… die können nur wenige wirklich tragen.

Aber nur da ist man frei von Identifikation.

Die meisten bleiben irgendwo hängen, auf der einen oder der anderen Seite. Im ewigen Suchen (ewiges Opfer) oder in der Idee, sie hätten schon alle Antworten und ja gar keine Fragen mehr (in der Identifikation mit dem Souveränen oder gar mit dem Erlösten).

Aber frei bist du erst dort:
in dieser offenen Mitte.

Dort ist keine Identifikation mit einer Seite.



RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - ichbinmehr - 21.01.2026

5) Mein letzer Gedanke zu alldem: Wenn Antworten zur Rüstung werden

Und eine letzte Idee, die du gern komplett verwerfen darfst!:

Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich manche meiner „Antworten“ testweise in Frageform umschreiben – nicht weil deine Antworten falsch wären, sondern weil Fragen es anderen leichter machen, anzudocken.

Manchmal ist eine Frage einfach ein Türöffner: Sie schützt die eigene Würde und lädt gleichzeitig Resonanz ein.

1) Die Kernfrage hinter „Ich hab keine Frage, ich hab Antworten“

„Wie kann ich Resonanz bekommen, wenn ich eigentlich etwas brauche, aber es nicht als Bedürfnis oder Frage zeigen will?“

>>>

2) Die Resonanz-Frage (Ignoriertwerden als Schmerzpunkt)


„Wie kann ich schreiben (und mich zeigen), ohne mich von ausbleibender Resonanz innerlich zerreißen zu lassen – und ohne andere dabei gleichzeitig wegzustoßen?“

Das ist ja auch oft mein Thema gewesen. Und ich habe an der Stelle auch nur den Weg gefunden, hier mit mir alleine weiterzugehen, meine eigenen Antworten zu finden, weil ich es in Form von gesellschaftlichem Austausch meist nicht das gefunden habe, was ich gesucht habe.

Es gibt nur wenige Menschen die mir überhaupt dahin folgen können, wohin ich gehen musste.

Und es ist verdammt nochmal ein scheiß Gefühl, sich anderen zu offenbaren, sich zu zeigen mit seinen offenen Fragen – und dann wieder und wieder stehen gelassen zu werden, weil einem manchmal keiner in die eigene Tiefe folgen kann oder mag.

Denn wer hat schon Bock auf die Monster anderer Leute?

Das hat ja meist leider mit dem eigenen Monster zu tun, dass er sie oft wegdrückt.

Und deshalb antworten Leute manchmal eben auch nicht, weil du da vielleicht einfach weitergehst in die Untiefen, weil du zu den mutigen Menschen gehörst, die sich hart konfrontieren und da findet man oft kein Feedback.

Das ist einfach eine harte Realität: Der Weg der Selbstbegegnung findet oft in Isolation statt.

Und das sogar ganz ohne, dass man sich dafür entscheidet, ins Kloster zu gehen oder in einer Höhle zu leben.

Nein es passiert einfach, dass man auf dem Weg zu sich selbst der Einsamkeit begegnet.

Und das ist hart!


Das ist hart und kaum jemand erkennt das an.
Und das macht es noch härter. Das ist der Verrat. Das ist die Kreuzigung. 

Aber du bist nicht alleine damit. Alle die es ernst meinen müssen da früher oder später hindurch und jeder der da hindurch genangen ist der sieht deine Stärke, wie du trotzdem durchgehst, obwohl sie dich haben stehen lassen. Glaub mir du wirst gesehen! Du wirst gesehen mit dem was du da leistest. 

Aber erarte nicht dass du ständig Feedback bekommst, denn es gehört zu deinem Weg da ohne uns hindurch zu gehen.

An der Stelle verlässt man die Gemeinschaft und zwar als Schüler und als Lehrer. Deshalb selbst wenn du Antworten hast, ja kann sein das das niemanden interessiert, weil es dein Weg ist. Nur deiner.

Und weil das Alleine sein, auch als jemand der Antworten gefunden hat dazu gehört.

Sowie das ALL-EIN- SEIN  wink1 auch dazu gehört, wenn man Sucher ist, und einem niemandem auf die Fragen antwortet die einem doch so im Herzen bewegen.

Und ja: Man muss es an der Stelle aushalten und sich selbst führen, denn nur du kannst die richtigen und passenden Antworten für dich finden. Es geht dabie nicht nur um kognitive Antworten, sondern auch darum dass du dich in mitten dieser gefühlen Isolation emotional stabilisierne und halten kannst. So dass du eine Unabhängigkeit erfährst, davon ob dir jemand antwortet oder nicht. Du schreibst dann deine irgendwann nur noch für dich. Mitspiler sind optional. Schln wenn sie da sind. Auch schön wenn sie nicht da sind. Und ja da sist hart. Aber es ist eben für die meisten Menschen die nach Selbsterkenntnis und Heilung suchen Teil des Weges.

Und manchmal wird man aus purer Notwendigkeit hart, um zu überleben –
und verliert dabei die eigene Offenheit.

Oder man kippt in eine zu starke Identifikation mit der souveränen Seite.

Deshalb darfst du meine Idee auch ruhig verwerfen. Aber ich will nur sagen: Es kann eine Falle sein, seine Offenheit zu verlieren. Und das kann dann aus Versehen wieder dazu führen, dass man zu dem Monster wird, das man eigentlich besiegen wollte.

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3) Die Selbsthilfe-vs.-Kontakt-Frage

„Wie kann ich Selbst-Erlösung/Selbsthilfe ernst nehmen, ohne mich dabei gegen menschliche Unterstützung zu panzern – und ohne in Abhängigkeit zu geraten?“

Ich habe mich damit ganz viel beschäftigen müssen. Und wer meine Texte kennt, wer mich seit den letzten 15 Jahren kennt, seitdem ich hier bin, der wird auch bemerkt haben, dass ich da eine Wandlung vollzogen habe: von offenen Fragen, mit denen ich immer alleine stehen gelassen wurde, hin zu „Ich führe mich selbst“. Und wenn jemand mitspielen möchte, bin ich offen – aber als Erste gebe ich mir halt.

Und das wäre mein Tipp an dich: Halte dich weiter und schütze dich auch davor,
ins leere und offene Messer zu rennen.

Geh weiterhin deinen Weg und gib weiterhin Antworten. Und vielleicht findest du – so wie ich – irgendwann einen schriftstellerischen Weg, auf dem du mit deinen Texten auch alleine stehen kannst.

Ich weiß, du hast das mit ChatGPT schon ausprobiert. Ich hab das gesehen. Ich hab das verstanden.

Aber die entscheidende Frage ist: Hast du wirklich schon verstanden, dass es letztlich darum geht, dich selbst halten zu können – unabhängig davon, ob von außen Resonanz kommt?

Ich sehe ja, was dir alles einfällt, wie kreativ du bist – „Sheldon goes Therapie“ zum Beispiel. Und ich bin sicher: Du findest ein Format, mit dem du dich selbst tragen kannst – auch dann, wenn du innerlich gerade durch ein tiefes Tal gehst und da erst mal niemand mitkommt. Und genau das ist die Kunst.

Aber pass auf, dass du dabei nicht so sehr in deine Eigenheit und Souveränität kippst,
dass du am Ende gar nicht mehr erreichbar bist.

Es geht darum genau in der Mitte, sozusagen auf Messers Schneide zwischen beiden Möglichkeiten das balancieren zu lernen.

Für mich ging es zumindest darum, und ich weiß nicht ob das was ich beschreibe zu dir passt,
aber vielleicht findest du dich ja zum Teil darin wieder. Und wie gesagt meine Antworten sind nur meien Antworten, nicht die Wahrheit. Im Zweifelsfall bleib bei dir und deiner Eigenart und glaube niemandem sonst.

Du hast eine innere Führung.



RE: Selbst -Erlösung von den Qualen der Psyche - Likeplacid - 22.01.2026

Im Unbewussten ist derjenige, von dem man ehesten Hilfe erwarten kann wer? Das wisst Ihr ja sicherlich. In der Psychoanalyse geht man davon aus, dass man diese Person auf den Therapeuten überträgt, und das nennt man dann Übertragung.  Durch Übertragung der ursprünglich hilfreichen Person auf den Therapeuten kommt diesem scheinbar eine ungeheure Macht zu. Das was geschehen sollte ist Heilung. Zu glauben, dass es Übertragung gibt ist gleichbedeutend mit der Annahme, dass der Patient sich selbst heilt. Er braucht bloß ein menschliches Objekt, das zuhört. Dieses Objekt könnte in Zukunft auch ein menschlich aussehender Roboter sein, der ab und zu mal nickt und ansonsten nicht viel sagt, um den Fluss der heilsamen Rede nicht zu stören.